Projektbericht aus der Grundschulkindbetreuung Flottkamp
Es war klar: Ein neues Projekt musste her. Schnell war das Thema gefunden: Fledermäuse. Ihre geheimnisvolle Lebensweise, ihre Bedeutung für das Ökosystem und ihr oft unterschätzter Schutzbedarf boten viele spannende Anknüpfungspunkte für ein intensives Lern‑ und Erlebnisprojekt.
Nach einem ersten Anruf bei der Fledermaus‑Ambulanz‑Hotline konnten Kontakte zum NABU sowie zu Antje Delion, Fledermausretterin, geknüpft werden. Kurz darauf ergab sich eine besondere Gelegenheit: Eine Zwergfledermaus namens Fridolin wurde in Pflege gegeben – der perfekte Anlass, das Projekt mit einer echten Geschichte zu verbinden.
Fridolins Geschichte
Fridolin hatte großes Pech und gleichzeitig großes Glück. Ende September geriet die kleine Fledermaus in die Fänge einer Katze. Das Glück im Unglück: Das verletzte Tier wurde vor einer Terrassentür in Kaltenkirchen entdeckt. Die Finder:innen reagierten sofort richtig, riefen die Fledermaus‑Hotline an und stellten so den Kontakt zu Antje Delion her.
Bereits eine Stunde nach dem Unfall wurde Fridolin mit Antibiotika und Schmerzmitteln versorgt. Mit einem Napf voller Mehlwürmer und der Gesellschaft weiterer Pfleglinge fühlte er sich schnell sicher. Da sich der Stoffwechsel von Fledermäusen im Winter auf den Winterschlaf einstellt, lebte Fridolin bis zum Frühjahr als sogenannter „Fußgänger“. Erst mit dem Frühling konnte der verletzte Flügel vollständig heilen – seitdem befindet sich Fridolin im Flugtraining.
Die Fledermausfreund:innen der Grundschule Flottkamp
Parallel dazu beschäftigten sich die Kinder der Grundschulkindbetreuung Flottkamp intensiv mit der Welt der Fledermäuse. Die Kinder trafen sich wöchentlich, um:
- verschiedene Fledermausarten kennenzulernen
- Fledermäuse zu basteln und kreativ darzustellen
- mehr über Lebensräume, Nahrung und besondere Fähigkeiten zu erfahren
Gefahren für Fledermäuse und Möglichkeiten des Schutzes zu besprechen
Dabei standen Fragen, Neugier und eigenes Entdecken im Mittelpunkt.
Fachbesuch: Fledermaus gefunden – was nun?
Am 8. April bekamen der Flottkamp Besuch von Anke Büll (NABU Kisdorf) und Antje Delion (Fledermausretterin). Im Mittelpunkt stand die Frage:
„Fledermaus gefunden – was tun?“
Gemeinsam wurde die Rettungskette besprochen:
- Sicherung: Die Fledermaus vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch aufnehmen
- Unterbringung: Das Tier in einen kleinen, gut belüfteten Pappkarton setzen
- Hilfe holen: Umgehend Kontakt zu Hilfestellen aufnehmen
Notrufnummer der Fledermaus‑Hotline: 0700 – 23000023
Im praktischen Teil konnten die Kinder eine Fledermausrettung üben – mit großer Begeisterung und viel Konzentration. Antje Delion berichtete außerdem aus dem Alltag der Pflegestelle, in der aktuell rund 28 Fledermäuse versorgt werden.
Fledermäuse schützen – auch im eigenen Garten
Da Fledermäuse Insektenfresser sind, ging es auch um geeignete Lebensbedingungen. Gemeinsam mit dem NABU stellten die Kinder Samenbomben mit Nachtblühern (u. a. Nachtkerze und Wegwarte) her. Einige Samenbomben durften mit nach Hause genommen werden, weitere wurden im Flottkamp-Garten gepflanzt.
Damit Fledermäuse künftig auch ein Quartier finden können, fehlte nur noch ein Zuhause: Beim nächsten Treffen bauten die Kinder zwei Fledermauskästen.
Ein Kasten wurde am Baum am Rand des Schulhofs angebracht, der zweite fand seinen Platz im Hortgarten.
Abschlussausflug nach Bad Segeberg
Den Abschluss des Projektes bildete ein Ausflug nach Bad Segeberg zu den Kalkberghöhlen und ins Noctalis – Erlebniszentrum Fledermaus.
Nach einer Führung durch die Kalkberghöhle ging es auf den Kalkberg und anschließend ins Noctalis. Dort erkundeten die Kinder mit Taschenlampen die dunklen Bereiche und konnten zahlreiche Fledermäuse beobachten. In den Kalkberghöhlen halten rund 30.000 Fledermäuse ihren Winterschlaf.
Zum Abschluss erhielten die Kinder ein Tierpflege‑Diplom. Der Tag hinterließ viele Eindrücke – so viele, dass auf der Rückfahrt im Bus einige Kinder erschöpft, aber glücklich einschliefen.
Dank und Ausblick
Das Team der Grundschulkindbetreuung Flottkamp der Tausendfüßler Stiftung bedankt sich herzlich für die Unterstützung bei:
Anke Büll, NABU Kisdorfer Wohld
Antje Delion, Fledermausretterin
der Sparkasse Südholstein für die finanzielle Förderung
Besonders bereichernd war, dass Antje Delion regelmäßig Videos vom Flugtraining und von der Fütterung der Fledermäuse zur Verfügung stellte. So konnte die Rettung und Pflege der Tiere hautnah miterlebt und das Projekt lebendig begleitet werden.
Das Fledermausprojekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie Sachwissen, Naturschutz und Begeisterung miteinander verbunden werden können – und wie Lernen dann am nachhaltigsten wirkt.











