Ein ganz besonderer Vorlesetag im Tausendfüßler Kindergarten

Erwartungsvoll sitzen fünf Kindergartenkinder im Nebenraum der “Biber” um Frau Zschirpe herum. Gleich wird sie die Geschichte von „Conny beim Zahnarzt“ vorlesen.
Doch schon nach den ersten Sätzen runzelt Bo die Stirn:
„Meine Mama liest anders vor!“
Auch die anderen Kinder schauen irritiert und scheinen ihren Ohren nicht zu trauen. Nur Dominik strahlt voller Stolz, mühelos kann er der Geschichte, die seine Mutter vorliest, folgen.
Was ist heute so anders beim Vorlesen?

Frau Zschirpe und einige andere Kindergartenmütter lesen heute in der Kita in ihrer Muttersprache vor. Unsere Lektüre besteht aus russischen und polnischen Märchen, englischen, türkischen und persischen Geschichten und Gedichten. Kein Wunder also, dass die meisten von uns fast nichts verstehen!

Wie es sich anfühlt, wenn man zwar alles hören kann, den Sinn des Gesprochenen aber nicht versteht, konnten unsere Kindergartenkinder und Fachkräfte an diesem besonderen Tag hautnah erleben.
Viele Kinder machen zu Beginn ihrer Kindergartenzeit diese Erfahrung, da sie zu Hause mit einer anderen Sprache aufwachsen. Umso beeindruckender ist es zu sehen, wie motiviert und selbstverständlich sich Kinder in einem förderlichen Umfeld eine neue Sprache erschließen.
So fällt es Sofia mittlerweile ganz leicht den anderen Kindern zu erzählen, was Mama gerade auf Persisch vorgelesen hat und Daria freut sich einfach darüber, eine Geschichte in ihrer Muttersprache zu hören.
Dieser Kompetenz – nämlich zwei (oder auch mehr) Sprachen zu verstehen und zu sprechen – möchten wir mit diesem Vorlesetag sowohl den Kindern, als auch deren Eltern, eine besondere Wertschätzung entgegenbringen. Wir betrachten sie als große Ressource in unserem Alltag von der alle profitieren können.

Der Tag hat viel Spaß gemacht und uns viele neue Erkenntnisse beschert. Wir freuen uns schon auf die nächste Vorleseaktion – vielleicht bei einem „Internationalen Vorlesefrühstück“? Wir haben viele Ideen dazu und freuen uns auf engagierte Mitstreiter!

Und so brachte Svea ihre Erfahrung des Tages auf den Punkt:
„Aliaman ralioku pakaro – ich sprech´ jetzt auch Krickelkrackel!